nur Hintergrund Bild zeigen
zur Biographie von Feodor Szerbakowzu aktuellen Landschaftsbildern aus dem Teufelsmoorpassende Musik von Edvard Griegzum Künstlerdorf Fischerhude

Das Teufelsmoor

Entstehung, Erschliessung und Besiedlung einer Landschaft

Eingebettet in einer Niederung der Norddeutschen Tiefebene, östlich der Stadt Bremen, liegt die Landschaft Teufelsmoor, dessen Mittelpunkt das Dorf Worpswede ist.

Gemälde: Einsame Moorkate im TeufelsmoorNach der letzten Eiszeit kam es in Norddeutschland zu höheren Niederschlagsmengen und zu einem allgemeinen Anstieg des Meeresspiegels.
Die Gezeiten der Nordsee fluteten bis weit hinein in das Mündungsdelta der Flüsse Hamme, Wörpe und Wümme; und durch die sich dadurch periodisch rückstauenden Wasser dieser Flüsse entstand ein Sumpfwatt, das sich über 360 qkm erstreckte.

Ab ca. 3000 v.Chr. kam es zu einer Klimaerwärmung mit geringerem Niederschlag.
Es entstanden in diesem Gebiet in Flußnähe Erlen- und Birkenbruchwälder mit Schilfröhrichten und Seggenriedern; auf flußferneren Teilen bildete sich eine sumpfige Heidelandschaft, bewachsen mit Kiefern, Birken, Heidekräutern und Wollgräsern.
Auf den höher gelegenen Gebieten (Geest) entstanden lichte Eichenwälder.

Ab ca. 500 v.Chr. verschlechterte sich das Klima; die Niederschlagsmenge erhöhte sich, der Grundwasserspiegel stieg an. Die flußnahen Ebenen wandelten sich in periodisch überflutete Sumpfgebiete (Niedermoore).
Auf den flußfernen, regennassen und abflussarmen Ebenen und Senken der Niederung, die keinen Kontakt zum Grundwasser hatten, dort begann das Torfmoos sich stark auszubreiten;
es überwucherte diese Gebiete schwammartig und erstickte unter sich die gesamte Flora.
Es entstanden ausgedehnte, stetig wachsende Torfmoore (Hochmoore), in denen jedwede Bäume, Sträucher und Gräser nicht mehr gedeihen konnten, sondern vermoderten.
In dieser lebensfeindlichen Umgebung konnten weder Menschen siedeln noch Tiere leben.

Diese nassen, menschenleeren und totenstillen Hochmoore wurden "Dovelsmoore" (taube, unfruchtbare Moore) genannt; erst viel später wurde die ganze Landschaft, Niedermoore und Hochmoore zusammen, umbenannt in das "Teufelsmoor".

Gemälde: Hoher Himmel über Worpsweder WiesenAb dem 5. Jahrhundert n.Chr. erwärmte sich das Klima; es gab geringere Niederschläge und der Grundwasserspiegel senkte sich. Die hö;her gelegenen Hochmoore am Rande der Geest trockneten ab.
Die Bauern der Geest begannen diese angrenzenden Moore zu entwässern und landwirtschaftlich nutzbar zu machen; auch konnten sie den dabei gewonnenen schwarzen Torf gewinnbringend verkaufen.
Sie betrachteten das von ihnen kultivierte Moorgebiet als rechtmäßig erworbenes Eigentum, auch um ihren Knechten und nachrangig geborenen ein hofnahes Ansiedeln zu ermöglichen (Moorrandbauern).
Diese Nutzung wurde ein Gewohnheitsrecht und wurde in den nachfolgenden Jahrhunderten auch in Anspruch genommen.

Die oben liegenden Schicht des Moores bestand aus hellbraunem verrotteten Torfmoos, genannt "Weisser Torf". Man nutzte diesen Torf zunächst als Viehstreu und dann als ergiebigen Dünger für die Felder.
Unter dem weissen Torf lag eine dicke Schicht aus festem braunen Torf, auch als "Brauner Backtorf" bezeichnet. Die getrockneten Soden dieser Torfart verbrannten mit ho her Rauchentwicklung und hatten keinen hohen Heizwert; sie wurden deswegen häufig zum Heizen der freistehenden Backöfen verwendet.
Darunter lag eine schwarz-braune, schlickartige Schicht, bestehend aus vermodertem Holz und Heidekraut, die als schwarzer Torf oder auch als "Backtorf" bezeichnet wurde.
Diese Torfart wurde zunächst ausgebreitet und verfestigt, dann portioniert und getrocknet.
Wegen des hohen Heizwertes bei geringer Rauchentwicklung war der schwarze Torf sehr begehrt; er wurde zum Heizen und Kochen, aber auch zum Schmieden von Eisen und zum Brennen von Klinkersteinen benutzt.


Gemälde: Bauernhäuser bei WorpswedeIm 12. und 14. Jahrhundert wurden, ausgehend von den Klöstern Lilienthal und Osterholz, die ersten Moorhufendörfer gegründet:
es entstand das Dorf Worpswede und im Niedermoor entlang der Hamme die Siedlungen Teufelsmoor und Waakhausen. Deren Einwohner betrieben die Rinderaufzucht während der Sommermonate in den Überschwemmungswiesen, aber auch den planmäßigen Abbau schwarzen Torfes vornehmlich im Gebiet der Siedlung Teufelsmoor.

Die Bauern aus der Gegend um Worpswede verkauften den gebrauchsfertigen schwarzen Torf und andere landwirtschaftlichen Produkte an Händler, die es mit eigenen Booten bis nach Bremen transportierten.
Worpswede erreichte bald dank wirtschaftlicher Prosperität ein blühendes Gemeinwesen.
Das umliegende Hochmoor jedoch blieb weiterhin menschenleer und nahezu ungenutzt.


Gemälde: Moorkate mit BirkenIm Jahr 1750 begann der Moorkommissa r Findorff mit der systematischen Kolonisierung der Teile des Teufelsmoores, die nicht von den Moorrandbauern beansprucht wurden.
Der Grundgedanke war, das gesamte Teufelsmoor vorab von Kolonisten in bezahlter Gemeinschaftsarbeit zu entwässern und befestigte Wege bauen zu lassen; die dabei entstehenden Wassergräben und Kanäle als zusätzliche Verkehrswege zu nutzen, um den Warenaustausch zu fördern und damit später höhere Steuereinnahmen zu erzielen.

Als Anreiz wurde den Kolonisten eigenes Land versprochen mit der Maßgabe, es als Bauernland aufzubereiten und zu bewirtschaften, sowie eine zeitliche Befreiung von Steuern und Wehrpflicht.
Die Grundstücksgrößen (12,5 ha) waren so bemessen, daß eine Familie davon ausreichend leben konnte, wenn der eigene Torf abgegraben und verkauft, und wenn gleichzeitig das übergebenen Grundstück landwirtschaftlich genutzt wurde zur Selbstversorgung;
jedoch konnte die ses Ziel erst in der dritten Generation der Kolonisten erreicht werden.

Insgesamt war die Kolonisierung des Teufelsmoores sehr erfolgreich:
bis zum Jahr 1850 wurden insgesamt 69 Moorhufendörfer neu gegründet.


Den Kolonisten, später Moorbauern genannt, wurde ein entsprechendes Grundstück in der Grösse einer Hufe als Eigentum zugeteilt, sowie Holz für den Bau eines Daches, Roggen zur ersten Aussaat und Baumstecklinge, um durch deren Verwurzelung den moorigen Baugrund zu verfestigen.
Es entstanden die ersten Katen entlang der neuen Moorkanäle:
die mit Moosfladen und Heidekraut gedeckten Dächer reichten bis zur Erde; die Seitenwände bestanden aus aufgeschichteten Torfsoden.
Nach Fertigstellung der Kate und erfolgtem Einzug erhielt der Kolonist eine Prämie von 5 Talern.

Jedoch auf dem sauren und nährstofflosen Boden des Teufelsmoores konnte zunächst weder Gras noch Getreide gedeihen. Um sich zu ernähren, brannt en deswegen die Kolonisten jeweils im Frühjahr die oberste Schicht des Torfes ab (Moorbrennen), um dann in die entstandene Asche den Buchweizen zu säen, der nach 3 Monaten geerntet werden konnte.
So wurde Buchweizen zum Grundnahrungsmittel der Moorbauern.

Gemälde: Winterliche AbgeschiedenheitNeben der schweren Arbeit der Torfgewinnung und Kultivierung des eigenen Landes und der zu leistenden bezahlten Gemeinschaftsarbeit, kamen noch unbekannte Krankheiten hinzu.
Es gab kein sauberes Trinkwasser; das Wasser mußte aus Moorlöchern oder Entwässerungsgräben entnommen werden;
das Wissen um Hygiene fehlte.

Später, bei zunehmender Bevölkerungsdichte und der praktizierten Erbteilung im Gebiet des Teufelsmoores, konnten die geteilten Höfe ihre Bewohner nicht mehr ernähren.
Aus dieser Not mußte ein Teil der Moorbauern den eigenen Hof aufgeben und für andere arbeiten. Es war die einzige Möglichkeit etwas Geld zu verdienen, um Dinge des täglichen Bedarfs kaufen zu können und nicht verhungern zu müssen.

Mit Beginn der Industrialisierung kam es zu einer erhöhten Nachfrage nach brennbaren Torf und zu einem beträchtlichen Anstieg des Verkaufspreises. Ein Teil der Anwohner arbeitete deswegen zusätzlich als Tagelöhner für diejenigen Moorbauern, auf deren Land schwarzer Torf zu fördern und aufzubereiten war; andere Anwohner übernahmen den Transport auf eigenen Kähnen und den direkten Verkauf ihres Torfes in Bremen.
Auf den Rückwegen von den Verkaufsfahrten transportierten die Kähne, neben den gekauften Dingen des täglichen Bedarfs, auch zusätzlich Heu als Viehfutter; aber auch Schl ick sowie Stall- und Fäkaliendünger wurde mitgenommen zur ertragsteigernden Bodenverbesserung derjenigen Moorflächen, die als Gras- oder Ackerland genutzt werden sollten.

Ab 1872 verfielen die Verkaufserlöse für brennbaren Torf dramatisch durch die vermehrte Nutzung der Steinkohle in Industrie und Handwerk. Im Bereich des Teufelsmoores kam es zu hoher Arbeitslosigkeit und Armut; in folgedessen zu einer massenhaften Abwanderung in die umliegenden Industrie-Städte wie Bremen und oder zur Auswanderung nach den USA.
Viele der verbliebenen Moorbauern wandten sich notgedrungen vermehrt der herkömmlichen Landwirtschaft zu, auch um sich selbst versorgen zu können.

Bauernhof im TeufelsmoorAb 1877 konnten mit Hilfe der Agrikulturchemie-Wissenschaft von Prof. Dr. Immendorff aus Jena und der Moor-Versuchsstation in Bremen die landwirtschaftlichen Erträge im Teufelsmoor wesentlich gesteigert werden: durch verbesserte Bodenbearbeitung und zusätzlichen Einsatz von neutralisierenden Mineraldüngern konnte den Moorbauern ein langfristig landwirtschaftliches Überlebenskonzept aufgezeigt werden.
Es entstand die heutige Kulturlandschaft Teufelsmoor.
zu aktuellen Landschaftsbildern aus dem Teufelsmoornach obenzum Künstlerdorf Fischerhude
© 1996-2017 washausen@aol.com
All rights reserved
Gemälde von Feodor Szerbakow
mit freundlicher Unterstützung von Gemäldegalerie Neuenkirchen
und dem Landschaftsverband Stade
Quellennachweis zum Thema Teufelsmoor